
Lifetracks
6-8 männliche Jugendlichen im Alter von 12 bis 15 Jahren, die Schwierigkeiten im sozialen Umgang haben und psychisch auffälliges Verhalten zeigen und deren Familien durch das Jugendamt betreut werden, starten mit 4 Betreuen zu einem außergewöhnlichen erlebnispädagogischen Projekt.
Während der 3-wöchigen Tour wird es ein tägliches Sportprogramm in Form der brasilianischen Kampfkunst Capoeira geben. Dies dient dazu, für die Jugendlichen ein nonverbales Kommunikationsmittel bereitzustellen, sinnvolle Wege aufzuzeigen, wie sie mit Aggressionen umgehen können und das Selbstwertgefühl zu steigern. Es wird eine neue Selbstwirksamkeit erlernt und das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt.
In Marokko werden die Jugendlichen im SOS-Kinderdorf Ait Ourir einen Capoeira-Workshop gemeinsam mit den Bewohnern des Kinderdorfs gestalten. Sie erleben das tägliche Leben und Miteinander und lernen fremde Kulturen kennen. Dies soll unter anderem Ängste der Jugendlichen reduzieren und Vorurteile gegenüber anderen Menschen abbauen helfen. Bereits während der Anreise wird bei verschiedenen Capoeira-Gruppen in Frankreich und Spanien übernachtet und an Workshops von Mestres (Meistern) und Professoren der Capoeira teilgenommen, um den Jugendlichen eine Grundlage für das Treffen im Kinderdorf zu geben.
Es ist eine mehrtägige Offroad-Tour etwas abseits der Straßen vorgesehen. Die Tour erfolgt in einem Allrad-Bus und einem Allrad-LKW. Die Teilnehmer werden in Gruppenzelten untergebracht und werden verantwortungsvolle Aufgaben für sich und die Gruppe übernehmen. Dazu zählen zum Beispiel kochen, Lageraufbau, spülen, Wäsche waschen und Wartungsarbeiten. Jeder wird auf den anderen angewiesen sein. Als Gruppenraum wird ein Allrad-LKW dienen, da dieser genügend Platz bei jedem Wetter für alle Teilnehmer bietet. Hier werden täglich Gruppengespräche morgens und abends stattfinden.
Capoeira wurde von afrikanischen Sklaven entwickelt, die seit Beginn des 16. Jahrhunderts nach Brasilien gebracht wurden. Capoeira ist eine Mischung aus Tanz und Kampfkunst. Mit Akrobatik und unter Einsatz des ganzen Körpers spielen zwei Capoeiristas ein Spiel körperlicher Annäherung und Ausweichens. Dabei sind sie umringt von anderen singenden und klatschenden Capoeiristas. Sie nähern sich in ihren Bewegungen blitzschnell ihrem Partner an, ohne ihn jedoch zu berühren, denn dieser reagiert mit einer Ausweichbewegung, um daraus wiederum einen Angriff zu machen. Das erfordert Koordination, Spontaneität und Ausdauer, aber vor allem Respekt vor dem Mitspieler. Denn wer seinen Körper so schnell und kraftvoll einsetzt, muss sich kontrollieren können.Capoeira ist ein Dialog ohne Worte. Sie ist Kampf, Tanz, List, Spiel und Spaß. Sie ist eine Körperkunst mit Musik und Akrobatik. Die Escola Popular (wörtlich übersetzt „Schule von unten“) arbeitet mittlerweile seit 15 Jahren mit Capoeira in der evangelischen Jugendarbeit und hat damit einen eigenen und neuen Ansatz in der Bildungs-arbeit entwickelt.
Wieso Capoeira?
Capoeira dient diesem Projekt als Werkzeug, um Jugendlichen eine Chance zur Weiterentwicklung anzubieten und Respekt und Körperbeherrschung zu erlernen sowie soziale Kompetenzen zu erwerben und eigene Ängste zu überwinden. Capoeira eignet sich hervorragend für diese Arbeit, da sie weitaus mehr ist als eine Kampfkunst. Es wird nicht nur Disziplin vermittelt und das Einhalten von Regeln beachtet, Capoeira baut auf den Respekt anderen Menschen gegenüber und auf die Offenheit Neuem gegenüber. Capoeira umfasst viele Bereiche, so lernt man Instrumente zu spielen, Lieder auf portugiesisch zu singen und zusätzlich neue Bewegungen in einer Gruppe von Gleichgesinnten. Die Jugendlichen des Projektes sitzen dabei wie die Sklaven, welche Capoeira entwickelten, in einem Boot und werden sich gegenseitig unterstützen müssen, um weiter zu kommen.

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